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Atelier 2.6

Fabian Coppenrath

Fabian Coppenraths malerisches Werk schafft einen Spannungsraum zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, der im Kern eine philosophische Auseinadersetzung mit dem Verhältnis von „Erscheinung“ und „Wirklichkeit“ thematisiert. 
Seit Platons Höhlengleichnis ist das westliche Denken von der Skepsis gegenüber der Verlässlichkeit sinnlicher Wahrnehmung geprägt, Kant schließlich verweist das „Ding an sich“ in den Bereich des prinzipiell Unerkennbaren. Coppenraths Bildwelt evoziert genau diese Form der Verhüllung: Unter der Oberfläche bleibt Bedeutung uneindeutig- das Sehen wird zu einem Prozess permanenter Verzögerung.

Formell bewegt sich seine Malerei im Spannungsfeld von Abstraktion und Figuration, zwischen leuchtender Farbigkeit und atmosphärischer Dunkelheit. Die Figuren sind oft in Schutzanzügen oder Masken gehüllt, Tiere, Landschaften und fragmentierte Motive überlagern einander und bilden visuelle „Schleier“, die sich nicht durchdringen lassen.
Auf einer tieferen Ebenen entfaltet sich in Coppenraths Arbeiten eine traumlogische Struktur – eine Bildsprache jenseits linearer Zeit oder kausaler Erzählung. In diesem Raum sind Zeit und Raum aus den Fugen, Erscheinungen zugleich wahr und trügerisch. 
Der Blick der Betrachtenden wird in eine Irreführung der Sichtbarkeit hineingezogen, in der jede Annäherung stets auch eine Zurückweisung bedeutet. Dies ist das eigentliche Prinzip von Coppenraths malerischer Strategie: Durch visuelle Verschleierung verwandelt er das Sehen von einem Mittel der Erkenntnis in einen tastenden Akt des Daseins.
                                

Text: Dr. Qiwei Zhang